[Gespräche] Episode 40 – Das schnelle Coaching

Jochen: Ja. Ja, ja, ja. Also hier, Achim, sage ich mal, ganz anders als bei dir wahrscheinlich gerade auf Mallorca, ist es etwas verhangen. Wie sieht es denn bei dir aus?
Achim: Ja, anders, würde ich sagen.
Jochen: Anders?
Achim: Anders.
Jochen: Aber auch durchaus bewölkt oder was?
Achim: Ne, es gibt hier, ich muss mal gucken, aber ich sehe weit und breit keine Wolke.
Jochen: Du siehst gar keine Wolke?
Achim: Ne, keine einzige. Gestern auch schon nicht.
Jochen: Alles super blue.
Achim: Ja. Alles „super blue” hier.
Jochen: Ja, nicht schlecht. Achim, wir haben diese Folge, die wir jetzt aufnehmen, die gibt es natürlich wieder als PDF unter: unternehmer.link/40.
Und ja, ich wollte erstmal fragen, wie läuft es denn jetzt? Wie läuft es mit deiner Unternehmertherapie gerade? Welche Sitzung hast du denn da jetzt gerade da hinter dich gebracht?
Achim: Unternehmertherapie?
Jochen: Ja.
Achim: Ja, also die letzte Pool-Session war vor einer halben Stunde.
Jochen: Ach so, okay. Okay gut. Ja, ich wollte so ein bisschen darauf hinaus, wir kennen das ja klassisch, dass man sagt, man braucht ganz lange, um bestimmte Probleme zu lösen und da muss man sich ganz, ganz lange hinsetzen und da muss man erstmal analysieren und dann fängt man bei Pontius und Pilatus an, wie mein Vater zu sagen pflegte. Da wollen wir heute uns mal anschauen, was es noch für Alternative gibt.
Achim: Ja richtig, genau. Das ist heute unser Thema. Wir haben ja schon häufiger mal über das Thema Coaching gesprochen und haben ja, glaube ich, auch ein Statement dafür abgegeben, dass wir grundsätzlich Coaching für eine sinnvolle Sache erachten. Also ich zumindest bin ein großer Verfechter davon, sich coachen zu lassen, vielleicht nicht immer dauerhaft, aber eben in bestimmten Situationen. Wenn man vor besonderen Herausforderungen steht oder auch eben besonderen Problemen, finde ich es immer gut, wenn man eine neutrale Person hat, die einem da vielleicht helfen kann.
Und das ist ja auch etwas, das macht uns ja der Sport vor: Alle erfolgreichen Sportler haben ja auch einen Coach und das hat ja auch seinen Grund. Und interessanterweise ist das in anderen Bereichen und gerade bei Unternehmer häufig noch etwas ungewöhnlich, dass jemand sich coachen lässt. Von einem Externen sich Hilfe zu holen, das klingt ja immer schon so, „Ich hole mir Hilfe von einem Coach“ klingt ja immer gleich so ein bisschen nach Therapie, was nebenbei bemerkt ja auch nicht schlimm wäre. Aber letztendlich nennen wir es mal irgendwie Sparring Partner, ja? Ein Trainer, wenn man so möchte. Jemand, der einen für eine gewisse Zeit eben begleitet.
Jochen: Okay.
Achim: Und ja, ich glaube, worüber wir heute sprechen wollen ist ja, wie man vielleicht an der einen oder anderen Stellen diesen Weg auch ein bisschen abkürzen kann.
Jochen: Ja, auf jeden Fall.
Achim: Denn so ein klassisches Coaching, da haben ja viele so ein bisschen auch die Bedenken, „Oh, dann muss ich mich lange Zeit in die Hände eines Coach begeben, da bin ich lange gebunden und muss mir viel Zeit nehmen, muss erstmal viel analysieren mit meiner Vergangenheit und warum sind die Dinge so wie sie sind“. Das ist ja etwas, was viele mit Coaching verbinden. Und ja, ich glaube, wenn ich das richtig verstanden habe, dann wollen wir heute darüber sprechen, Jochen. Du als der Profi in diesem Falle.
Jochen: Ja richtig.
Achim: Dass das auch anders sein kann. Ohne natürlich schmälern zu wollen, dass diese klassischen Coachings natürlich auf jeden Fall auch ihre Berechtigung haben.
Jochen: Ganz klar.
Achim: Aber nur manchmal ist es vielleicht auch, gibt es eine „Abkürzung“. So kann man es vielleicht nennen.
Jochen: Absolut. Und ich denke, dass es ganz wichtig ist, finde ich immer, zu gucken, was ist das, was jetzt in dem Moment, wo ich jetzt gerade in meinem Unternehmerleben stehe, für mich das Sinnvollste und auch vielleicht das Effektivste? Es ist schön, wenn man sich coacht, aber ich denke, wenn man nach einer gewissen Zeit nicht merkt, dass sich etwas verändert, dann ist es spätestens an der Zeit, etwas zu verändern und vielleicht zu sagen, „Das war es nicht“.
Achim: Sicher.
Jochen: Und wenn wir jetzt zurückgehen und so ein bisschen gucken, wie das Coaching sich entwickelt hat und was es da für Möglichkeiten gibt, dann kennen wir das ja klassisch, dass wir mit jemand über Probleme sprechen. Das heißt, wir gehen erstmal hin zum Freund, zum Unternehmer/Kollegen und sagen, „Ja, ich habe das Problem und was soll ich jetzt machen?“. Und man redet sehr viel über das Problem. Ich weiß nicht, ob du das kennst? Dass man dann so sagt, „Ja und da habe ich noch ein Problem und das ist auch noch ein Problem“ und so dieses. Da ist man sehr stark fokussiert auf das Problem an sich.
Achim: Ja, das ist klar. Ich meine, es kommt drauf an. Ich würde jetzt entgegnen, das kommt darauf an, mit wem man sich unterhält, ja? Aber häufig ist es natürlich so, dass gerne problematisiert wird und wenig an der Lösung gearbeitet wird, wenn es eben keinen professionellen Rahmen hat, ja?
Jochen: Ja, aber auch, wenn wir jetzt über ein Problem reden, dann ist es so, dass man dann natürlich über das Problem redet und dann kommt der andere irgendwann und sagt zu einem, „Pass mal auf, mach doch mal so, oder mach doch mal so“. Da hast du gesagt auch im Vorgespräch – gut, das ist jetzt im klassischen Coaching auch durchaus anders – aber da ist es auch so, dass nach wie vor, denke ich, der Coach sozusagen immer der Experte ist und jetzt guckt, was man da machen kann. Was es da für Möglichkeiten für den Klienten gibt, da voranzukommen.
Achim: Ja.
Jochen: Und wir wollen uns einfach mal eine andere Geschichte betrachten. Aber bevor wir das tun, möchte ich gerne ein Zitat zitieren, wollte ich schon fast sagen, von unserem guten alten Freund Albert alias Albert Einstein, der gesagt hat: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“.
Achim: Ah.
Jochen: Und ein anderer Ausdruck dessen ist vielleicht, zu sagen: „Der Lösung ist es eigentlich egal, aus welchem Problem heraus sie erwachsen ist“. Das finde ich auch sehr schön.
Achim: Das stimmt, ja.
Jochen: Nun wollen wir mal zurückgehen. Also im Wesentlichen beschäftigen wir uns heute mit dem lösungsorientierten Kurzzeit-Coaching. Und wir wollen einfach mal gucken, wo das Ganze herkommt und was das Ganze soll und wo das Ganze hingeht und warum kann mir das vielleicht helfen, mein Problem schneller zu lösen und vielleicht auch nachhaltiger zu lösen als eine andere Form.
Achim: Ja, dann erzähle doch vielleicht mal, wo das herkommt.
Jochen: Genau. Ende der 70er Jahre, da gab es eine kleine Gruppe von Menschen, die sich gesagt haben, „Oh, wie das jetzt hier läuft“, das war tatsächlich im Bereich der Familientherapie, „das ist etwas, wo wir sagen, das ist nicht so wirklich effektiv, was da passiert“. Und die haben sich privat zusammengesetzt und hatten einfach ein großes Interesse, etwas zusammen zu tun und haben sich dann erst in ihren Privaträumen, später haben sie sich eine kleine Praxis angemietet und haben auf der einen Seite der Praxis direkt mit entsprechenden Klienten gesprochen und ein Therapeut hat mit denen gesprochen und auf der anderen Seite, quasi durch eine Spiegelwand getrennt und der Klient konnte das dann nicht sehen (er wurde natürlich darüber informiert), hat dann entsprechend eine Gruppe von Experten gesessen – Experten in dem Fall aus verschiedensten Bereichen Menschen – und dann ist der Therapeut irgendwann hat er gesagt, „So, ich habe das Problem gehört, ich gehe jetzt mal rüber und gucke mal, was die anderen dazu sagen“.
Und das war das Eine und das Zweite war, dass sie sozusagen ganz, ganz lange erforscht haben, nicht als Institution, sondern als ein Kreis, eine Gruppe tagtäglich über viele, viele Jahre erforscht haben, „Was funktioniert und was funktioniert nicht?“. Und das Entscheidende war für sie herauszufinden, „Wie kann ich Menschen dazu bewegen, dass das, was ich ihnen vermittle, auch von ihnen umgesetzt wird?“.
Also man merkt das oft: Wenn ich mit jemand spreche, dann sagt der vielleicht, „Ja, mach mal so und so oder das wäre doch eine tolle Idee“ und dann geht man so weg, erst denkt man, „Ja, ist eine super Geschichte“ und dann sagt man sich so, „Naja, aber für mich ist das nicht“. Und das ist tatsächlich auch ein wenig das Problem, dass die Lösung, man die Lösung nicht aus sich selbst heraus entwickelt. Und ich sage mal so – du hattest auch genickt, als ich das vorhin gesagt habe, als wir vorhin gesprochen haben – oft ist das so, dass man die Lösung eigentlich schon in sich hat. Man ist meist eher so ein bisschen am Abwägen, „Mache ich das so oder mache ich das so?“.
Und da haben die tatsächlich (dieses Team) die Lösung entwickelt. Das ist der gute alte Steve de Shazer, der inzwischen auch nicht mehr unter uns weilt und seine Frau, die Insoo Kim Berg heißt die. Zwei Amerikaner, sind Mitte der 2000er sind die letztendlich von uns gegangen. Und die haben sozusagen, nicht nur, dass sie hingegangen sind und haben gesagt, was funktioniert, sondern die haben direkt ein System entwickelt, in dem sie ganz bestimmte Fragen, ganz bestimmte Dinge, wie sie so ein Kurzzeit-Coaching durchführen, entwickelten, was sehr, sehr minimal ist, sehr, sehr klein ist. Also es ist erstaunlich, mit wie wenig man da auskommt. Und die haben sozusagen das erprobt und festgestellt, dass das sehr, sehr effektiv ist und dass die Leute wesentlich besser ihre Dinge umsetzen und dass man auch wesentlich weniger Termine braucht.
Achim: Okay. Und das liegt jetzt daran, dass also nicht über die Probleme gesprochen worden ist, oder wie muss ich mir das vorstellen?
Jochen: Ja, es wird nicht über die Probleme gesprochen. Man merkt es auch, bei mir ist das so, dass ich diese Form des Coachings, grundsätzlich nur noch mit dieser Form des Coachings arbeite.
Und es ist so, dass man am Anfang eben merkt, wenn man mit jemand spricht, dass er sehr, sehr gerne über seine Probleme sprechen möchte und das kürzt man letztendlich ab und sagt, „Okay, lass uns nur kurz definieren, wo das Problem ist“ und dann hört man dort auf. Und dann springt man direkt in die Lösung rein und das passiert eben über bestimmte Techniken. Da gibt es eine Technik, die heißt eben die „Wunderfrage“, wo man eben dann in die Zukunft hineinspringt. Und aus dieser Zukunft heraus findet man dann kleine Ansätze, die umgesetzt werden können von dem entsprechenden Klienten und er dann entsprechend relativ gut ins Handeln kommt mit Dingen, die aus seiner Stärker heraus entspringen.
Also man guckt auch, wie wir das in anderen Podcast-Aufzeichnungen auch hatten, guckt man sehr stark nach seinen Stärken und wo etwas bereits in der Vergangenheit funktioniert hat. Und das ist, glaube ich auch, das durchaus Interessante, wo sich das abhebt. Wo hat das schon mal funktioniert? Und daraus kannst du dann eben sehen, wie zum Beispiel nehmen wir den Weg Vertrieb, ja? Du sagst, „Ah, ich muss Vertrieb machen“.
Achim: Ja.
Jochen: „Ah, ich muss unbedingt mal Leute anrufen“. Und dann sagst du aber, „Okay, was ist das Wunder?“. Das Wunder sähe dann so aus: „Alle Leute kommen auf mich zu. Ich habe da einen Kontakt und da kommt jemand auf mich zu und die kommen alle zu mir, ohne dass ich etwas machen brauche“, ja? So als Beispiel. Und die Seminare füllen sich. Und dann sagst du, „Okay, gibt es eine Situation, wo du das vielleicht in der Vergangenheit schon in kleinen Schritten gemacht hast?“ und da sagst du vielleicht, „Naja, damals als ich das so und so gemacht habe, da kamen auch schon Leute und da bin ich zum Beispiel dann auf Veranstaltungen gewesen, habe darüber gesprochen und die Leute, die ich kannte. Ah, das ist sehr interessant“. Und dann kann man auf diesen Punkt aufbauen und kann da weitermachen, statt dass man jetzt Dinge tut mit Leuten, die nicht in ihrem Kontext sind, die nicht in ihren Rahmen passen, wo man einfach merkt, das ist zwar etwas, was sie vielleicht tun könnten, aber die Wahrscheinlichkeit, dass sie das tun, ist sehr, sehr gering. Und das heißt, man arbeitet direkt mit den Stärken desjenigen.
Achim: Was natürlich dann die Umsetzungschancen erhöht.
Jochen: Was absolut die Umsetzungschancen erhöht und man auch sozusagen dann hingeht und bewertet. Also man arbeitet mit einer Skala, das heißt, man geht hin und sagt, „Okay, auf einer Skala von 0 bis 10, wenn du das umgesetzt hast, wo stehst du dann?“. Während man davon ausgeht, wenn er ins Coaching kommt, ist er bei der Null und dann ist jemand vielleicht, wenn er es umgesetzt hat, bei einer Sieben. Da sage ich, ist doch prima, bist du bei einer Sieben, wenn du das umsetzt, wie cool ist das denn?
Und den meisten Menschen ist das dann aber nicht bewusst vorher, bevor du mit ihnen darüber sprichst, dass das für sie bedeutet, wenn sie das umsetzten, dass sie dann schon bei einer Sieben sind. Das heißt, in dem Fall ist eine Sieben, also quasi 10 ist alle ist gelöst und das Problem ist komplett gelöst und Sieben wäre dann sozusagen auf dem Weg dorthin.
Und diese verschiedenen Elemente, die bauen aufeinander auf und funktionieren so gut, dass ich von Unternehmern immer das Feedback bekomme, „Das hat jetzt tatsächlich super für mich funktioniert. Hier bin ich sehr gut weitegekommen und das ist wirklich toll, weil das sich komplett von dem unterscheidet, wie ich es bisher erlebe, wenn ich mit anderen rede“.
Achim: Okay. Jetzt ist ja so, also klar, auf der einen Seite kann ich da ein professionelles Coaching in Anspruch nehmen, was kann ich denn aber tun, wenn ich sage, ich möchte diese Methode im Kleinen auch mal ein Stück weit für mich selbst anwenden? Wie muss ich da vorgehen?
Jochen: Also vom Prinzip her ist es so, dass ich davon ausgehe, dass es leichter ist, wenn man es mit jemand zusammen macht. Es muss jetzt nicht unbedingt ein Coach sein, also es kann auch ein Freund sein oder jemand, mit dem ich das tatsächlich dann durchführen kann. Aber wenn ich das nicht zur Verfügung habe, dann würde ich erstmal überlegen, was dann das wäre, was idealerweise sein sollte am Ende.
Ich überlege gerade, weil ich nicht genau weiß, die Frage, die du mir gestellt hast, ob es eine tatsächlich sehr, sehr gute und effektive Möglichkeit gibt, das alleine zu machen. Da stehe tatsächlich jetzt hier gerade so ein bisschen auf dem Schlauch.
Achim: Okay.
Jochen: Weil für mich persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass es mir sehr, sehr schwer alleine fällt. Ich habe das dann für mich so gelöst, dass ich letztendlich jemand anders als Hilfsmittel nehme. Also wir haben das zum Beispiel in der Mastermind-Gruppe jetzt, die ich mit Hubert, meinen sozusagen Mastermind-Partner, der jetzt in Holland lebt, mache, dass ich sozusagen angefangen habe, das mit ihm zusammen zu trainieren, dass wir das wechselseitig machen können, weil ich es viel effektiver finde, als normal zu reden.
Achim: Ja.
Jochen: Aber es ist eigentlich sehr, sehr wichtig, dass man einen Gegenüber hat.
Achim: Okay, dann nehmen wir das Beispiel. Ich habe einen Gegenüber und wie kann ich es dann ansetzen?
Jochen: Ich würde erstmal ansetzen und würde ihn bitten, dass er mir die Wunderfrage stellt.
Achim: Das heißt?
Jochen: Die Wunderfrage heißt, die bedeutet, er beschreibt erstmal kurz sein Problem und dann würde ich sagen, „Wenn du jetzt nach Hause gehst und es wird Abend und dann legst du dich ins Bett irgendwann, weil du müde bist und guckst vielleicht noch ein bisschen Fern und dann schläfst du ein und mitten in der Nacht passiert ein Wunder und das Wunder ist so, dass all das, was du dir gewünscht hast, also das gesamte Problem, mit dem du zu mir gekommen bist, komplett gelöst ist und da du aber schläfst, merkst du nicht, dass dieses Wunder passiert ist. Und am nächsten Morgen wachst du auf und niemand sagt dir, dass ein Wunder passiert ist. Woran merkst du als erstes, dass sich etwas verändert hat und dass ein Wunder passiert ist?“. So, das wäre die Frage, die ich dem anderen stellen würde. Und dann würde ich halt gucken, was sich dann verändert hat.
Achim: Okay. Das heißt, im Prinzip geht es darum, vom Ende her zu denken.
Jochen: Absolut.
Achim: Von der Lösung her zu denken. Also dieses Wunder ist ja stellvertretend dafür, dass du am nächsten Morgen aufwachst und die Frage ist, in Bezug auf das ursprüngliche Problem, was sich verändert hat.
Jochen: Ja.
Achim: Wenn die Lösung da ist. Und: „Wie geht das? Wie fühlt sich das an? Was tue ich anders? Was mache ich anders? Was ist passiert?“, um dann quasi den Weg zurückzugehen und zu sagen, „Okay, so fühlt es sich an und dadurch wird auch der Weg, den ich gehen muss, klar.
Jochen: Der Weg wird noch nicht klar. Also da geht es dann darum, dass es eben diese Fertigkeit gibt. Ich habe es auch sozusagen mit meiner Frau zusammen gemacht, die mich da auch dann unterstützt, weil ich jetzt sozusagen selber weiß, wie die Methode geht und funktioniert und die auch anwende, aber jetzt in dem Moment tatsächlich niemand habe, der das mit mir macht. Und sie hat dann gesagt zu mir, das ist teilweise sehr schwierig, das selber zu machen, weil man doch sehr viel Fingerspitzengefühl dafür braucht.
Aber was man als nächstes machen würde, ist halt zu gucken, wo es Punkte in der Vergangenheit gibt. Oder wenn du jetzt vielleicht drei, sechs oder neun Monate zurück guckst, ob es eine Situation gab, wo schon das so ein bisschen so war wie das Wunder jetzt. Ja, wo du das Gefühl hattest, das mit dem Vertrieb läuft jetzt zum Beispiel. Gab es da eine Situation? Und dann kann man gucken. Und was hast du da genau gemacht?
Weil in diesem Konzept geht man davon aus, dass es eigentlich nur darum geht, mehr von dem zu tun, was schon funktioniert hat.
Achim: Okay.
Jochen: Mehr von dem zu tun, was schon funktioniert hat in der Form, dass es ja Dinge sind, die man auch, weil sie funktioniert haben, einem auch eher leicht fallen. So, also wie wir jetzt zum Beispiel dieses Thema Vertrieb haben, da ist es so, natürlich ist es eine gute Geschichte, ganz viele Leute anzurufen, die nach irgendwas zu fragen, ob die das brauchen könnten, aber es ist nicht jedermanns Sache.
Achim: Ja.
Jochen: Und deswegen muss man für sich halt gucken, wie ich das für mich tun kann, dass es für mich funktioniert.
Achim: Okay. Also gucke ich also auf der einen Seite auf die Lösung und auf der anderen Seite aber versuche ich, mir die Vergangenheit zur Hilfe zu nehmen, um mich an Situationen zu erinnern, um mich auch in dieses Gefühl vielleicht hineinzuversetzen, wo ich damit schon mal klargekommen bin.
Jochen: Genau. Nicht mal das Gefühl, sondern es können auch ganz kleine Handlungen sein. Also dass ich sage, wenn jemand jetzt zum Beispiel sagt, „Okay, da habe ich mich irgendwie erfolgreich gefühlt zum Beispiel“, dann frage ich, „Wie hast du das genau gemacht?“. Ja okay, da habe ich das und das und das gemacht. Und wie hast du das genau gemacht, dass du das und das gemacht hast? Also man fragt dann immer weiter nach, damit man sagt, „Ja, da habe ich das gemacht“. Und dann sagt man, „Okay und wenn du dieses und jenes jetzt machen würdest, wie würde es dir dann gehen?“.
Und dann fängt man an zu arbeiten mit einer sogenannten Skalierung. Das heißt, dass man festlegt, wo derjenige jetzt steht. Also am Anfang sagt man, wenn er zum Coaching kommt, da steht er bei einer Null und wie stehst du dann da, wenn du sozusagen das für dich umgesetzt hast, was wir da jetzt gerade besprochen haben?
Achim: Ja.
Jochen: Und dann habe ich einen anderen Wert und er sieht sozusagen aus dem heraus, dass sich dieser Wert verändert, dass es etwas ist, was ihm hilft. Also dieses wirklich, sage ich mal, Pflöcke in die Erde zu treiben und zu sagen, „Hier ist eine Null und wenn ich das mache, bin ich bei einer Sieben“, das schafft Klarheit im Kopf, weil es mir dann bewusst wird.
Ich habe beispielsweise mit Hubert dieses Situation, dass wir das gemacht haben, dann sagt er, „Du, pass auf, dass das etwas Gutes ist, dass ich das jetzt mache, das war mir klar, aber dass es diesen Effekt hat, wenn ich es mache, dass ich dann schon bei einer Fünf stehe beispielsweise, wo ich jetzt vorher bei einer Null war, das war mir nicht klar“. Und das gibt mir eine zusätzliche Motivation, das auch umzusetzen.
Und so geht es einfach darum, den Kontext halt, den Rahmen zu finden, wie man dann den nächsten Schritt geht, weil also dieses Konzept davon ausgeht, wenn ich den ersten kleinen Schritt gehe, dann gehe ich auch den nächsten kleinen Schritt und dann gehe ich den nächsten kleinen Schritt. Weil wir haben das ja auch oft, wenn wir in einer Mastermind-Gruppe sind, dann geht es ja auch nicht darum, wo ich in zwei Jahren sein will – klar ist das eine wichtige Idee, dass man weiß, wo man da sein möchte – aber es geht vielmehr darum, zu sagen, wo ich jetzt stehe und wo ich hin will und was der nächste Schritt ist und wie ich dahinkomme.
Achim: Ja, das wollte ich gerade sagen. Das klingt ja so, dass letztendlich du von Groß anfängst und das irgendwie in kleine Stücke aufteilst.
Jochen: Genau.
Achim: Um am Ende eben sagen zu können, das vermeintlich große Problem verkleinere ich, ja? So dass, wenn ich dann heute anfange, ich weiß, dafür finde ich eben auch die Lösung dann, oder habe die Lösung, weil ich schon ähnliche Erlebnisse in der Vergangenheit gehabt habe, wo es eben auch funktioniert hat, die mir nur so nicht bewusst gewesen sind, weil ich es vielleicht auch in den Kontext nicht gebracht habe.
Jochen: Genau, genau. Und das ist sozusagen dann derjenige, der den anderen begleitet, ist dann in dem Moment der Facilitator, der das dann halt ermöglicht und der dann ihm hilft, die Türen aufzumachen. Und letztendlich am Schluss immer das Ziel ist, dass der Coach sich überflüssig macht, ne?
Achim: Ja. Ja, das ist noch ein ganz wichtiger Aspekt, finde ich auch. Also gerade beim Thema Coaching, da wird ja auch viel darüber gesprochen, dass womöglich eine Abhängigkeit irgendwann zum Coach besteht, also was ja eine große Gefahr ist und das soll es ja eben nicht. Ein Coaching soll nie dazu führen, dass der Coachee jetzt in Abhängigkeit gerät und sagt, „Ich treffe jetzt nur noch Entscheidungen, wenn ich meinen Coach frage“.
Jochen: Genau.
Achim: Die Eigenständigkeit muss ja unbedingt gewahrt bleiben und an sich ist ja auch beim Coaching so, dass klar ist, dass das einen Anfangspunkt und einen Endpunkt haben soll, nur dass eben bei diesem Kurzzeit-Coaching nochmal eine Abkürzung genommen wird.
Jochen: Genau. Und in der Regel kannst du dann in zwei bis drei Terminen auch ein Problem bereits lösen. Also das ist halt das Schöne daran und das finde ich, das ist auch das Charmante, dass man nicht jetzt irgendwie ganz viele Termine braucht, um irgendeinen Problem zu lösen, sondern ganz dezidiert rangeht an ein Problem und dann in zwei, manchmal auch in einem Termin das Problem bereits gelöst hat.
Achim: Ja.
Jochen: Also ganz, ganz effektiv rangehen. Und das finde ich für Unternehmer sehr charmant, da Unternehmer sowieso oft ja auch lösungsorientiert sind und sagen, „Ich habe ein Problem, wie komme ich da jetzt weiter?“, ja?
Achim: Ja.
Jochen: So ist es ja meistens. Und das finde ich, das ist eine sehr, sehr schöne Geschichte. Leider ein bisschen schlecht fürs Ego als Coach, weil man natürlich nicht derjenige ist, der dann sagt, „Ich habe eine super Idee und der hat das gemacht. Klasse, der ganze Ruhm steht mir zu“, sondern manchmal entstehen dann halt auch Lösungen, wo man sagt, „Naja gut, ich würde es jetzt anders machen“. Aber das Entscheidende bei dieser Geschichte ist immer, der Coachee oder der Klient hat immer Recht, weil das für ihn, auch wenn es vielleicht in dem Moment ein Schritt sein mag, wo man sagt, „Ich würde es jetzt anders machen“, in dem Moment für ihn der nächste beste Schritt ist, den er tun kann. Es heißt auch nicht, dass der richtig ist, ja? Aber es ist dann so, dass man den macht und dann sieht derjenige, „Aha okay, jetzt habe ich das gemacht und ich habe die Erfahrung daraus gemacht und jetzt gehe ich den nächsten Schritt“.
Achim: Ja.
Jochen: War bei mir zum Beispiel so ein Beispiel, dass ich halt für ein Problem einen Teil outgesourct habe und einen Mitarbeiter engagiert habe, der mich da unterstützt als freischaffende Kraft und dann festgestellt habe, dass das jetzt nicht der richtige Weg war und jetzt sage, jetzt will ich einen Dienstleister haben, der mich darin unterstützt. Aber wahrscheinlich wäre ich nie zu dem Punkt gekommen, wo ich sage, dass ich einen Dienstleister haben will, wenn ich nicht den Schritt gegangen wäre.
Achim: Ja natürlich, klar.
Jochen: Und das ist manchmal einfach entscheidend. Und wäre ich den Schritt nicht gegangen, der mir sehr schwer gefallen ist, wäre ich nie an den Punkt gekommen. Und ich glaube, das ist einfach das Entscheidende, dass man diesen Weg findet, den ersten Schritt zu gehen.
Achim: Übrigens fällt mir da fast schon wieder ein neues Podcast-Thema ein zu dem Wort „Entscheidungen“, ja? Denn ich glaube, ich hatte gerade vorhin das Gespräch mit jemanden dazu, wo es eben darum ging, eben Entscheidungen zu treffen. Und ich glaube, das ist tatsächlich auch wirklich wichtig, denn es gibt nichts Schlimmeres letztendlich, als keine Entscheidung zu treffen.
Jochen: Ja.
Achim: Auch wenn die Entscheidung mal falsch sein mag. Gerade als Unternehmer ist es einfach wichtig, also Entscheidungen zu treffen und sie nicht einfach aufzuschieben und zu Problemen oder zu To-dos oder ähnliches zu sagen, „Okay, ich will es nicht entscheiden, weil ich brauche noch mehr Informationen, ich brauche noch dies, ich brauche noch jenes“. Klar, bestimmte Dinge benötigt man, aber irgendwann muss man aufpassen bei sich selbst, dass man nicht vielleicht selbst einfach diese Entscheidung einfach nur oder noch Informationen, die man benötigt, vermeintlich noch vorschiebt, um eben keine Entscheidung treffen zu müssen, weil man sich nicht sicher ist. Und das, glaube ich, ist in dem Zusammenhang ganz, ganz wichtig, wie du es gerade gesagt hast. Auch wenn es eine falsche Entscheidung sein mag, dann hat man sie getroffen und daraufhin kommt man vielleicht dann eben auch wieder zu einer weiteren Entscheidung, die dann die richtige sein kann.
Jochen: Absolut, ja.
Achim: Und das halte ich für sehr, sehr wichtig in dem Zusammenhang. Dabei kann natürlich diese Form des Coachings auch sehr gut helfen, weil es dazu kommt, sehr schnell Entscheidungen zu treffen.
Jochen: Ja genau. Und vor allem, ich weiß nicht, ob du das kennst, das ist vielleicht auch das, was du gerade beschrieben hast, dass man ganz lange um so ein Problem rum eiert, ne? Also man rennt nochmal drum herum und nochmal drum herum und nochmal drum herum und sagt, „Ja, ich weiß noch nicht“ und dann hat man so einen Tag, wo man sagt, „Ja, das mache ich jetzt“. Und am Ende des Abends hat man es trotzdem nicht gemacht, ne? Und man denkt so, „Ne, doch nicht“.
Achim: Also ich kenne das. Ich hatte da mal ein Erlebnis, was mir auch sehr heilsam war und zwar war das im Rahmen eines Unternehmercamps, wo ich eben selbst Teilnehmer bin. Und da sind wir irgendwie zu sechst oder zu siebt in diesem Camp und ich hatte schon mehrfach über ein Problem gesprochen, wo ich mich damit rumgeschlagen habe. Also wir treffen uns immer quartalsweise, muss man dazu sagen und habe dann also schon, glaube ich, zu dem Zeitpunkt das dritte Mal das schon erwähnt, wo man ja weiß, die Zeit ist schon fortgeschritten. Also dreimal treffen, wenn man sich nur alle drei Monate trifft und da kam ich wieder, etwas verändert und mit einer etwas anderen Fragestellung und ein bisschen modifiziert das Ganze, aber am Ende letztendlich, was mir in dem Moment gar nicht so 100% bewusst war, doch wieder mit der gleichen Problemstellung um die Ecke.
Jochen: Ja.
Achim: Und speziell einer aus dieser Gruppe, der auch sehr direkt und auf den Punkt ist, was ich sehr schätze – was nicht immer leicht ist, aber was ich sehr schätze – sagte auch irgendwann, „So, pass mal auf mein Freund, das hast du jetzt irgendwie das dritte Mal erzählt, willst du das überhaupt? Willst du überhaupt eine Veränderung? Weil im Moment glaube ich es nicht“.
Jochen: Ja.
Achim: Dann war ich natürlich wie vor den Kopf gestoßen.
Jochen: Beleidigt fast, ja.
Achim: Aber ich musste halt auch erkennen, „Okay, er hat vollkommen recht gehabt“. Also entweder will ich es noch nicht genug, oder ich muss jetzt da einfach eine Entscheidung treffen und Weichen stellen. Ob das jetzt richtig oder falsch ist, lassen wir mal völlig dahingestellt, ja? Hauptsache ich treffe eine Entscheidung.
Jochen: Ja.
Achim: Sonst erzähle ich zwei Jahre später immer noch davon.
Jochen: Ja.
Achim: Und habe es immer noch nicht gemacht und habe noch nichts verändert, jedenfalls nicht nachhaltig. Also ich habe versucht, mir immer einzureden, ich hätte schon etwas verändert.
Jochen: Ja.
Achim: Aber das waren letztendlich nur Nuancen, also nichts Entscheidendes.
Jochen: Ja. Ja.
Achim: Und das hat mich dann dazu gebracht, dass der mich, ich sage mal salopp, auf den Topf gesetzt hat und daraufhin habe ich festgestellt, also jetzt ist der Zeitpunkt einfach gekommen und es geht einfach darum, eine Entscheidung zu treffen.
Jochen: Ja.
Achim: Und das war sehr heilsam.
Jochen: Ja und genauso ist das da auch. Und ich denke, das ist einfach ein gutes Tool, um unterstützend in der Entscheidung zu sein, ohne dass dir jemand etwas auf quatscht. Also ohne dass jemand sagt, „Mach mal so, mach mal so“, sondern dir hilft, eine Entscheidung aus dir selbst heraus zu entwickeln.
Achim: Ja richtig.
Jochen: Und das würde ich auch schon fast jetzt als Abschlusswort sehen wollen. Das finde ich sehr schön.
Achim: Ja.
Jochen: Zwei Sachen noch. Klar kann man diese Folge als PDF herunterladen unter: unternehmer.link/40.
Und wer jetzt sagt, „Ist ja super, finde ich cool“ und „Will ich mal ausprobieren“ ist nicht so meins, sondern ich will gleich in die vollen gehen: Einfach kurz eine E-Mail schicken info@t3company.de und dann können wir einen Coaching-Termin vereinbaren. Das Ganze geht natürlich auch per Skype oder telefonisch, das muss jetzt nicht direkt vor Ort in Berlin sein. Das ist auch das Gute daran, dass es sowohl funktioniert, wenn man es telefonisch und online macht als auch vor Ort persönlich.
Achim: Okay.
Jochen: Möchtest du noch etwas unserem werten Zuhörer, der uns gerade zuhört, mit auf den Weg geben, Achim?
Achim: Das sind immer diese Fangfragen zum Schluss, ne?
Jochen: Ja. Das sind die nicht „Fang-„, sondern die „Fun-Fragen“.
Achim: Die Fun-Fragen. Nein, ich denke, das ist klar geworden, um was es uns geht. Hoffe ich zumindest. Und ja, insofern würde ich sagen als Abschluss: Allen, denen das Wetter in Berlin gerade zu schlecht ist, auf nach Mallorca.
Jochen: Absolut, absolut. Und denkt daran: Du hast das Recht glücklich zu sein! Bis zur nächsten Woche.
Achim: Bis zur nächsten Woche.
Jochen: Ich freue mich, von Euch zu hören und macht es gut.

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